Jürgen Dankert: Meine Meinung zum Thema ...

Wettbewebsgesellschaft, Leistungsgesellschaft

Wir leben in einer Wettbewerbsgesellschaft,

das wird wohl kaum bestritten, die positive Bezeichnung dafür ist "Leistungsgesellschaft", wer einen negativen Klang hineinbringen will, redet von "Ellenbogengesellschaft".

Auf die Frage nach dem "Warum" gibt es sehr unterschiedliche Antworten, sie reichen (abhängig von der politischen Grundeinstellung) von "Weil Wettbewerb die Leistung und damit unseren Wohlstand fördert" über unterschiedliche Zwischenstufen bis zu "Weil uns das menschenverachtende neoliberale Wirtschaftssystem dazu zwingt".

Weil wir es so wollen

Meine Antwort auf die Frage, warum wir in einer Wettbewerbsgesellschaft leben, lautet: "Weil es in uns durch die Evolution genetisch so angelegt ist, und weil wir es nicht anders wollen."

Dass es in der Evolution unabdingbar war, sich dem Wettbewerb zu stellen, hat den Menschen geprägt. Allerdings verringerte sich die Notwendigkeit, im Wettbewerb (mit anderen, mit der Umwelt usw.) erfolgreich zu sein, mit dem Entstehen höherer Zivilisationen erheblich.

Es würde uns etwas fehlen

Es sieht so aus, als würde den Menschen etwas fehlen ohne Wettbewerbe. Die antiken olympischen Spiele, die vor fast 3000 Jahren in Griechenland begannen, wurden zunächst mit den Sportarten begonnen, die im Laufe der Evolution für die Menschen wichtig waren: Laufen, Springen, Werfen und Kampfsportarten wie Ringen. Dies war "Wettbewerb an sich", nicht notwendig und nicht zur Erlangung eines Vorteils (außer vielleicht eines ausgesetzten Preises), nur um zu beweisen, dass man etwas besser kann als andere. Das muss vermerkt werden, um von Kriegen, die ja auch "Wettbewerbe" sind, abzugrenzen.

In modernen Gesellschaften wie in den westlichen Industrieländern ist ein Überleben ohne jede Beteiligung an einem Wettbewerb unproblematisch. Auch wer sich nicht am Wettbewerb um einen Arbeitsplatz beteiligt, wer arbeitet, aber sich keinem Leistungs-Wettbewerb unterwirft, verhungert oder erfriert nicht. Um Entzugserscheinungen zu vermeiden, wurden (geradezu exzessiv in den letzten 150 Jahren) Wettbewerbe aller Art erfunden, vornehmlich sportliche, mit akribisch definierten Regeln, so dass man sich im Wettkampf messen kann.

Sinnvolle Wettbewerbe?

"Sinnvoll" sind Sportarten wie zum Beispiel die Ballspiele sicher nicht. Dass Sporttreiben die Gesundheit fördert, ist sicher ein wichtiges Argument, Wettbewerb ist dafür nicht erforderlich (individuelles Joggen, Sport im Fitness-Center usw. tun es auch). Wenn man allein den Sportbereich betrachtet, kommt man an der Feststellung, dass der größte Teil der Menschen geradezu "wettbewerbsverrückt" ist, nicht vorbei. Fußball (als ein Beispiel von vielen) wird in verschiedenen Leistungsklassen (von der 2. Kreisklasse bis zur 1. Bundesliga) von unzähligen Aktiven betrieben, und Hunderttausende, die sich nicht selbst an den Wettbewerben beteiligen, finden sich an den Wochenenden in eigens dafür gebauten riesigen Stadien ein, um dem Wettbewerb zuzuschauen.

Dem Profisport kann man noch einen erheblichen Unterhaltungswert für die Zuschauer zuschreiben, die bereit sind, dafür zu zahlen, so dass der Sportler damit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Die Masse der Wettbewerbe findet aber auf unterster Ebene statt, in der Regel in vergleichbarer Verbissenheit. Man geht ein- bis zweimal in der Woche (nach der Arbeit) zum Training, um am Wochenende im Punktspiel der 2. Kreisklasse nachzuweisen, dass man seinen Sport besser kann als die Jungs aus dem Nachbardorf.

In vielen Sportarten ist das Verletzungsrisiko durchaus nicht gering, so dass die Frage wohl berechtigt ist, ob diese sportlichen Wettbewerbe sinnvoll sind. Die Antwort ist eindeutig: Ja! Der Mensch braucht den Wettbewerb und will ihn, weil der Drang zum Wettbewerb (sich mit anderen zu vergleichen) genetisch bei ihm angelegt ist.

"Ich brauche keinen Wettbewerb!"

Und alle, die jetzt meinen, sie gehörten nicht zu dieser Kategorie, weil sie zum Beispiel keinen Wettkampfsport betreiben (und am Wochenende auch nicht im Fußball-Stadion sitzen), sollten überlegen, an welchen Wettbewerben sie freiwillig mitmachen. Möchte man nicht so gut oder besser gekleidet sein als die Kollegen, vielleicht den schöneren Vorgarten haben als der Nachbar, das tollere Auto? Ist oder war die Partnersuche nicht eine reine Wettbewerbs-Veranstaltung? Kommunalwahl oder Bundestagswahl - mehr Wettbewerb geht eigentlich kaum. Warum gehören Wettbewerbe im Fernsehen (von Sportübertragungen gar nicht zu reden) zu den beliebtesten Sendungen ("Deutschland sucht den Superstar", "Schlag den Raab", ).

Ein Wettbewerb, dem man sich kaum entziehen kann

Dem beruflichen Wettbewerb kann sich kaum jemand entziehen, ob als Angestellter im Wettbewerb mit den Kollegen oder als Selbstständiger in der Konkurrenz mit den anderen Marktteilnehmern. Und es ist auch in diesem Bereich so wie in allen bereits zitierten Wettbewerben: Es gibt Gewinner und Verlierer, und es gibt die (berechtigten oder unberechtigten) Klagen der Verlierer über mangelnde Chancengleichheit und mangelnde Fairness. Hier kommt auch noch häufig Neid hinzu auf die Besser-Verdienenden ("Das sind doch unanständig hohe Gehälter, was wollen die mit dem Geld, das kann man doch gar nicht ausgeben."). Aber man sollte daran denken, dass auch die Spitzenverdiener im Wettbewerb stehen, Beispiel: Als Cristiano Ronaldo bei Real Madrid "nur" 26 Millionen Euro im Jahr verdiente, bestand er auf einer Gehaltserhöhung gewiss nicht deshalb, weil ihm sein Gehalt nicht ausreichend war, sondern weil Lionel Messi beim FC Barcelona 30 Millionen Euro verdiente.

Bleiben wir aber auf der Ebene der "Normal-Verdiener". Es gibt sie durchaus, die im beruflichen Wettbewerb schließlich auf dem Level ankommen, auf dem sie sich wohlfühlen. Aber es sind wohl viel mehr, die glauben (viele durchaus zurecht), dass sie (aus welchen Gründen auch immer) nicht dort gelandet sind, wo sie entsprechend ihren Fähigkeiten eigentlich landen sollten. Dies einfach zu akzeptieren, ist nicht leicht. Immerhin sollte man anerkennen, dass in einer freien Gesellschaft

(Text ist noch nicht komplett)